top of page

TRAININGSWISSEN

Wie ich
Tischtennis
verstehe.

Technik, Spin, Rhythmus und Kopf – so erklärt, dass man es am Tisch anwenden kann. Aus meiner Arbeit als Trainer, nicht aus dem Lehrbuch.

GRUNDLAGE

Zwei Wege zu einem guten Spiel.

Viel trainieren oder das Spiel verstehen: Beides führt nach oben. Aber nur einer der beiden Wege trägt auch dann, wenn es darauf ankommt.

Um im Tischtennis wirklich gut zu werden, gibt es im Grunde zwei Wege. Der erste ist der Trainingsumfang: Wer genug trainiert, baut ein Muskelgedächtnis auf, und sein Niveau steigt fast von selbst. Der zweite ist ein überdurchschnittliches Verständnis des Spiels. Die allermeisten guten Spieler gehen den ersten Weg – sie trainieren deutlich mehr als andere und sind deshalb besser. Den zweiten Weg gehen nur wenige.

 

Der Unterschied nach einer Pause

 

 

Zwei Spieler auf hohem Niveau setzen zwei Jahre aus. Wer sein Niveau vor allem durch Trainingsumfang gehalten hat, findet danach oft nur schwer zurück – 40 bis 50 Prozent des früheren Niveaus sind schon ein gutes Ergebnis. Wer das Spiel tief versteht, erreicht mit wenig Training meist wieder 70 bis 80 Prozent.

 

Der Unterschied in der Tagesform

 

 

Spieler mit tiefem Verständnis hängen weniger davon ab, wie sie sich an einem Tag fühlen. Ober- und Untergrenze ihrer Leistung liegen näher beieinander. Wer vor allem vom Trainingsumfang lebt, schwankt stark: An einem Tag verliert er gegen jeden, am nächsten schlägt er jeden. Die Ursache ist fast immer dieselbe – das Verständnis reicht noch nicht tief genug.

MEIN ANSATZ

Deshalb erkläre ich im Training nicht nur, was man tun soll, sondern auch warum.

Die folgenden Texte zeigen, wie ich das meine.

TECHNIK 1

Vorhand: Der Unterarm ist der Hebel, nicht der Motor.

«Den Unterarm schliessen» hört man in jeder Halle. Gemeint ist aber nicht das, was die meisten daraus machen.

Fast jeder kann lernen, gut Tischtennis zu spielen – vielleicht nicht auf Profiniveau, aber deutlich besser als heute. Voraussetzung ist, dass man das Prinzip des Schlags versteht und die Bewegung auf der richtigen Muskulatur aufbaut.

 

Was «schliessen» wirklich heisst

 

 

Viele verstehen den Satz so, dass der Unterarm selbst aktiv Kraft geben muss. Gemeint ist das Gegenteil: Der Bizeps zieht – oder wirft – den Unterarm, und der Unterarm bleibt dabei locker. Richtig ausgeführt ist der Vorhandschlag eine Hebelbewegung: Der Unterarm ist der Hebel, das Ellbogengelenk der Drehpunkt, der Bizeps die Kraftquelle. So entstehen Energie und Explosivität.

 

Arbeiten Unterarm und Bizeps gleichzeitig – meist mit mehr Kraft im Unterarm –, ist das ein «falsches Schliessen». Der Hebel fehlt, und mit ihm Kraft und Tempo.

KURZ GESAGT

Unterarm locker, Bizeps als Motor, Hebel um den Ellbogen. Finger und Handgelenk sind das i-Tüpfelchen – sie kommen zuletzt.

Warum es so schwer ist

 

 

Seit der Kindheit benutzen wir den Unterarm viel häufiger als den Bizeps. Er ist kräftiger, und es fällt schwer, ihn wirklich loszulassen. Wer im Kraftraum den Bizeps trainiert, kennt das: Oft ermüden zuerst die Unterarme, weil sie das Gewicht halten. Am Tisch ist es genauso.

 

So spürt man es: Den Arm anwinkeln und auf die Spannung achten. Hält der Bizeps die Position und bleibt der Unterarm locker, arbeitet der richtige Muskel. Nach dem Training spürt man dann den Bizeps – nicht den Unterarm.

Die Peitsche: doppelte Beschleunigung

 

 

Ein einmaliges Anspannen reicht für echte Schlagqualität nicht. Die «Peitsche» entsteht durch zwei Beschleunigungen nacheinander: Zuerst beschleunigt der Oberarm den Unterarm, dann folgt die zweite Beschleunigung durch den Bizeps.

 

Und Finger, Handgelenk, Handrücken?

 

 

Trainer, die darauf achten, haben recht. Profis haben aber schon als Kinder gelernt, den Unterarm zu entspannen und mit dem Bizeps zu schlagen – erst auf dieser Grundlage bringen Finger und Handgelenk etwas. Ohne diese Basis verwirren zusätzliche Details eher. Die Reihenfolge ist deshalb: zuerst den Unterarm lösen und den Bizeps aktivieren, dann die Feinheiten. Für die Rückhand gilt dasselbe Prinzip: Unterarm als Hebel, Ellbogen als Drehpunkt, Kraft aus dem Bizeps.

TECHNIK 2

Spin kontrollieren: Druck schlägt Drehung.

Den Spin «überwinden» – das sagt jeder Trainer. Wie das genau geht, sagt kaum jemand.

Eines der schwierigsten Probleme im Tischtennis ist der Rückschlag auf Spin. Ein Unterschnittball geht nach der Berührung ins Netz, ein Überschnittball fliegt über den Tisch hinaus, ein Seitenschnittball weicht zur Seite ab.

 

Manche Spieler glauben, man müsse den gegnerischen Spin mit eigenem Spin aufheben. Das ist ein Irrtum. Der Schlüssel liegt nicht im Gegenspin, sondern im Druck.

 

Wie stark Spin ist

 

 

Ein Tischtennisball dreht sich extrem schnell: Messungen bei Spitzenspielern ergeben für einen Topspin im Durchschnitt über 100 Umdrehungen pro Sekunde – mehr als 6000 pro Minute. Je nach Drehrichtung wirkt dabei eine andere Kraft auf den Ball: Unterschnitt drückt ihn nach unten, Überschnitt nach oben, Seitenschnitt zur Seite. Wir wollen den Ball aber nach vorne spielen. Also müssen wir diese Kraft überwinden – wie beim Seilziehen, bei dem die stärkere Seite die Richtung bestimmt.

 

Druck und Beschleunigung

 

 

Je stärker der Spin, desto grösser die Kraft, die er erzeugt. Um sie zu überwinden, braucht der Ball genügend Druck und Vorwärtsbeschleunigung. Das ist das ganze Prinzip: nicht Spin gegen Spin, sondern Druck und Beschleunigung.

 

Warum in der Aufwärtsphase?

 

 

Beim aktiven Blocken, beim kurzen Ablegen und in der Verteidigung hört man oft: «Nimm den Ball in der Aufwärtsphase.» In dieser Phase bewegt sich der Ball stark nach vorne und oben und stützt so den Schläger. Diese Kraft lässt sich nutzen, um mit mehr Druck zu spielen – der Spin wird leichter neutralisiert.

 

In der Abwärtsphase verliert der Ball an Vorwärtskraft und bewegt sich mehr nach unten. Dann muss man mehr eigene Kraft aufbringen, sonst setzt sich der Spin durch. Gerade bei stark gespinnten Bällen, etwa einem hohen Topspin, lohnt sich deshalb der Treffpunkt in der Aufwärtsphase.

KURZ GESAGT

Ob Überschnitt, Unterschnitt oder Seitenschnitt – die Kontrolle kommt aus einer Vorwärtsbeschleunigung, die stärker ist als die Kraft des Spins.

TECHNIK 3

Rhythmus: Der Schlag ist nicht das Schwierigste.

Im Training sitzt jeder Ball, im Wettkampf plötzlich nicht mehr. Meistens liegt es nicht am Schlag, sondern am Rhythmus.

Viele spielen im Training sehr gut und finden im Wettkampf ihren Rhythmus nicht. Ihnen fehlt das Rhythmusgefühl – sie wissen nicht, wie sie sich dem Rhythmus des Spiels anpassen sollen.

 

Zwei Arten von Rhythmus

 

 

Eigenrhythmus: Man soll sich bewegen, auch wenn man gerade nicht schlägt. Diese Bewegung baut das Rhythmusgefühl auf, das man beim Schlag braucht.

 

Rhythmus des Balls: Jeder Ball kommt mit einer anderen Geschwindigkeit. Ist er langsam, muss man warten; ist er schnell, muss man schneller reagieren.

 

Etwa 80 Prozent der Konzentration gehen darauf, den Rhythmus und den richtigen Treffpunkt zu finden. Der Schlag selbst ist nicht besonders schwierig. Im Training trifft jeder genau; im Wettkampf häufen sich die Fehler, weil das Finden des Balls und des Rhythmus noch nicht sitzt.

 

Das Bild vom Auto

 

 

Ich stehe still, und ein Auto fährt an mir vorbei. Will ich aufspringen, muss ich aus dem Stand auf seine Geschwindigkeit beschleunigen – sehr schwer. Laufe ich bereits, ist es viel einfacher: Ich bin schon in Bewegung und muss nur noch anpassen. Deshalb bewegen wir uns zwischen den Schlägen. Ein Spiel ist wie das Aufspringen auf Autos mit immer anderen Geschwindigkeiten: Das Schlagen ist nicht das Problem – das Problem ist, das eigene Tempo an den Ball anzupassen.

 

Zwei typische Fehler

 

 

1. Der Rhythmus sitzt in den Händen. Viele Anfänger spielen die Grundübungen fast nur mit dem Oberkörper; der Körper steht still. Echtes Rhythmusgefühl kommt aus dem ganzen Körper, nicht aus den Händen.

 

2. Die falsche Phase wird gesteuert. Beim Auf- und Abfedern halten viele die Aufwärtsbewegung für entscheidend. Sobald der Körper aber nach oben geht, ist die Geschwindigkeit festgelegt. Gesteuert wird in der Abwärtsbewegung: Kommt der Ball langsam, federt man langsamer ab; kommt er schnell, schneller.

KURZ GESAGT

In Bewegung bleiben und im Abfedern steuern. Das Schlagen selbst ist nicht das Problem – das Problem ist, das eigene Tempo an den Ball anzupassen.

KOPF

Visualisierung: der Ballwechsel, bevor er stattfindet.

Spitzensportler trainieren Bewegungen auch mit geschlossenen Augen. Im Tischtennis funktioniert das gut – wenn man weiss, was man damit üben kann und was nicht.

Die Freestyle-Skifahrerin Eileen Gu hat beschrieben, wie sie ihre Sprünge im Kopf durchgeht: aus den eigenen Augen, von hinten wie mit einer Kamera, von oben – mal in Zeitlupe, mal im Schnellvorlauf. Das ist keine Spielerei. Es entspricht bekannten Methoden der Sportpsychologie: Innen- und Aussenperspektive, Wechsel der Geschwindigkeit und das bewusste Spüren der Bewegung.

 

Tischtennis ist anders als Skifahren

 

 

Beim Skifahren führt man eine festgelegte Bewegung aus; am Tisch reagiert man in Echtzeit auf den Gegner. Visualisierung muss im Tischtennis deshalb nicht nur das «Wie schlage ich?» üben, sondern auch das «Wie lese ich und wie reagiere ich?». Dafür gibt es drei Ebenen – von der einzelnen Technik bis zur Drucksituation.

 

So fängt man an

 

 

Vor jedem Training 30 Sekunden am Tisch stehen und einen taktischen Ablauf, den man an diesem Tag üben will, einmal komplett im Kopf durchspielen – mit dem Rückschlag des Gegners und der eigenen Reaktion. Zu Beginn reichen täglich 5 bis 10 Minuten; Konzentration ist wichtiger als Dauer. Bei Jugendlichen beginnt man mit kurzen Sequenzen, etwa Aufschlag und Rückschlag, und verlängert sie Schritt für Schritt.

SELBST SPIELEN

Ballwechsel-Challenge: Treffen Sie den richtigen Moment.

Tempo und Spin wechseln von Ball zu Ball. Lesen Sie den Ball und schlagen Sie im richtigen Moment zurück – drei Leben, wie viele Ballwechsel schaffen Sie?

TRAINING

Vom Verstehen zum Können.

Im Training arbeiten wir genau daran: Technik, Spin, Rhythmus und Wettkampf – Schritt für Schritt, mit Profitrainern und Schweizer Meistern.

© 2026 Chengbowen Yang · Die Trainingslager führt der TTC Rio-Star Muttenz durch. · Impressum · Datenschutz
  • Youtube
  • Instagram
  • LinkedIn
bottom of page